Für eine Neuordnung des Wettmarktes

Die bestehende Monopol-Struktur im Bereich Sportwetten hat in mehrfacher Hinsicht versagt. Sowohl der Sport als auch Wettanbieter, ehrliche Wettkunden und das Ziel der Suchtvorbeugung wurden zu Verlierern des Systems. Durch unsinnige Werbeverbote gehen dem Profi- und Amateursport jährlich Einnahmen in Milionenhöhe verloren, die mangelnde Partizipation an den Einnahmen privater Wettanbieter und die rasant schrumpfenden Umsätze des Monopols schwächen zudem die finanzielle Basis des Amateur- und Breitensports. Die Suchtvorbeugung wird zudem durch die nicht zu kontrollierenden so genannten illegalen Wettanbieter konterkariert. Der deutsche Profisport setzt sich daher für eine vollständige Neuordnung des Wettmarkts ein, die auf Basis einer kontrollierten Öffnung und Lizenzierung für private Wettanbieter die Einnahmen für Amateur-, Breiten- und Profisport sichert und die Chancen auf eine effizientere Überwachung im Kampf gegen Wettmanipulation erheblich bessert.

Der neuerliche Wettskandal hat es offensichtlich gemacht, dass das bestehende Wettmonopol keinerlei positive Wirkung auf die Integrität des Sports hat. Auch Transparency International hat festgestellt, dass die derzeitige Situation Illegalität geradezu fördert und so den Boden für Wettmanipulationen erst bereitet. 1

Gleichzeitig hat das bestehende nationale Wettmonopol dabei versagt, die Finanzierung des Breiten- und Amateursports sicherzustellen. Die Einnahmen etwa von Oddset sinken in allen Bundesländern dramatisch - und dies bereits seit geraumer Zeit. Mit der angekündigten Kündigung des Glücksspielstaatsvertrages durch das Land Schleswig-Holstein ist die Notwendigkeit einer kompletten Neuordnung des Wettmarktes noch deutlicher geworden. Vollständige Verbote von Internetsportwetten haben nichts geändert und waren nicht erfolgreich, weder bei der Sicherung der Finanzierung des Amateur- und Breitensports noch bei der Bekämpfung illegaler Aktivitäten.

Durch die weg brechenden Einnahmen sinken nun auch die staatlichen Zuschüsse für den organisierten Sport. So genannte Illegale Internetanbieter können ihrerseits kostenfrei die Ansetzungen und Spielpläne von Sportwettbewerben nutzen, deren Erstellung erhebliche Investitionen erfordern. Sie tragen aber umgekehrt nicht durch Zweckabgaben oder Steuern zur Finanzierung des Profi- und Amateursports bei, da aufgrund der aktuellen Rechtslage eine Ansiedelung zum Beispiel in Deutschland derzeit nicht in Betracht kommt. Sie entziehen sich zudem jeglicher Kontrolle. Ohne den Rückgriff dieser Anbieter auf die Spielpläne der Sportwettbewerbe wäre das sich ausweitende Wettangebot im Internet in dieser Form überhaupt nicht möglich. Die Organisation von Sportwettbewerben setzt schließlich Leistungen von erheblichem wirtschaftlichen Wert voraus, wie die Bereitstellung der Spielstätten, die Organisation des Ticketverkaufs, der Einsatz von Ordnern und Sicherheitskräften in den Spielstätten, die Erstellung der Spielpläne und Organisation des gesamten Spielbetriebs.

In Deutschland garantieren die Mitglieder der Initiative Profisport eine sichere, nachvollziehbare und zuverlässige Durchführung des Spielbetriebs über die gesamte Saison. Diese wird jedoch durch die vollständige Illegalisierung von Internetwettanbietern konterkariert und führt zudem zu erheblichen Ausfällen durch den Verlust von Werbepartnern.

Die Initiative Profisport Deutschland fordert daher die konsequente Neuordnung des Sportwettenmarktes in Deutschland. Das staatliche Monopol hat sich als Irrweg erwiesen. Zukünftig sollten Sportwettveranstalter nicht ohne Genehmigung die Vorleistungen der Organisatoren von Sportwettbewerben zu eigenen Gewinnzwecken nutzen dürfen. Zudem könnten im Rahmen des Genehmigungsverfahrens besonders manipulationsanfällige Wetten untersagt werden. Die Neuordnung des Sportwettenmarktes sollte durch eine kontrollierte Öffnung des Sportwettenmarktes für Private bei gleichzeitiger Beibehaltung des Staatsmonopols für das Lotteriewesen erfolgen. Dabei müssen die Vorgaben, die das Bundesverfassungsgericht bzgl. einer möglichen und zulässigen Öffnung des Sportwettenmarktes formuliert hat, beachtet werden. Die kontrollierte Öffnung des Sportwettenmarktes sollte mit der Verankerung eines Sportveranstalterrechts sowie einer Garantie für eine nachhaltige Finanzierung des gemeinnützigen Sports kombiniert werden.

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1So die Vorsitzende von Transparency International Deutschland, Sylvia Schenk, in der Anhörung des Sportausschuss des 17. Deutschen Bundestages, 2. Dezember 2009 "Sportwettenbetrug im Fußball".
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